Geldanlage und Vermögensbildung
Die Geldanlage und Vermögensbildung ist für Arbeitnehmer beziehungsweise den Otto Normalverbraucher einfacher als je zuvor. Der Börsenmarkt ist schon seit langem nicht mehr der Wall Street vorbehalten und kann einen elementaren Bestandteil der privaten Vermögensbildung darstellen. In der deutschen Gesellschaft ist die Börse jedoch noch immer eher ein Buch mit sieben Siegeln an welches sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung herantraut.
„Wer hat denn schon genug Geld um an der Börse zu zocken?“
Dieser Satz enthält zwei fehlerhafte Annahmen.
Es gibt diejenigen, die mit Sicherheit zu wenig Geld zur Verfügung haben, um es rentabel zu investieren. Das bestreitet auch keiner. Es gibt aber auch diejenigen, die dies nur glauben, weil ihre finanzielle Bildung unzureichend ist.
Dann haben wir da noch das Verb „zocken“. Im Allgemeinen versteht man darunter reines Glücksspiel. Das ist es übrigens auch – wenn man ohne Grundkenntnisse, ohne Risikodiversifikation und ohne eine gut durchdachte, individuelle Anlagestrategie am Marktgeschehen teilnimmt.
Wer hilft bei der Geldanlage?
Wie aus allen Gütern im Kapitalismus, kann man auch aus Geld ein Geschäft machen. Nämlich damit, Kunden die bestmögliche Anlage zu versprechen. Solchen Dienstleistungen werden Angeboten von:
- Banken: Neben eigenen Produkten bieten Bank auch Finanzprodukte anderer Unternehmen an und verdienen durch Provisionen und Gebühren entsprechend Geld.
- Makler: Bieten verschiedene Finanzprodukte an und sind bei deren Auswahl nicht an ein Unternehmen gebunden, sie verdienen mit Provisionen ihr Geld.
- Vertreter: Arbeiten für ein oder mehrer Unternehmen an die sie vertraglich gebunden sind und vermitteln verschiedene Finanzprodukte. Verdienen an Provision und durch bestehende Verträge.
- Unabhängiger Berater auf Honorar: Wird für seine Beratungsleistung vom Kunden bezahlt, nicht durch Provision.
Die beiden großen Probleme: Zielkonflikt und Ineffizienz.
1. Zielkonflikt
Egal wie nett man einen Anlageberater findet oder wie gut man meint ihn zu kennen: Verdient er Geld durch Provisionen gibt es einen Zielkonflikt zwischen der bestmöglichen Anlage und dem Wunsch des Beraters daran möglichst gut zu verdienen. Das soll nicht heißen, dass diese Berater geldgierig sind. Aber von diesem Einfluss kann sich kein Mensch vollständig befreien, egal wie sehr er sich bemüht.
2. Ineffizienz
Oftmals kommen mit den angebotenen Produkten einige Gebühren daher, die meistens auch noch recht intransparent sind. Von 1000 eingezahlten Euro, kommen gegebenenfalls nur 987,50 Euro im Sparschwein an. Warum das einen großen Unterschied macht wird später noch beschrieben.
Von den aufgezählten Beratern ist also vermutlich der Honorarberater die solideste Wahl. Er wird nicht durch winkende Provisionen beeinflusst und die Kosten sind sehr transparent.
Nun geht es hier aber darum, ein Bewusstsein für den Börsenmarkt in der deutschen Bevölkerung zu wecken, gerade weil es sich für diejenigen lohnt, deren Cashflow nicht mit dem von Superreichen zu vergleichen ist. Wie oben bereits angedeutet, halten sich viele Mythen über die Börse hartnäckig.
„Die Börse ist nichts anderes als ein Casino“
Das ist schade, denn es hält viele Menschen davon ab, ihre Finanzen in die eigene Hand zu nehmen, um diverse Kosten zu sparen und in ihre persönliche finanzielle Bildung zu investieren. Tagesgeld- und Sparbuchzinsen im Jahr 2020 sind ernüchternd. Auch wenn Risiko und Rendite untrennbar miteinander verbunden sind, gibt es zahlreiche wirtschaftlichere Anlagemöglichkeiten und Vehikel. Gerade im Bezug auf die gesetzliche Altersrente ist die Thematik von entscheidender Bedeutung. Ein großer Teil der Bevölkerung kann sich kaum darauf verlassen. So betrug die Rente im Jahr 2018 durchschnittlich 906 Euro. Sicher ist auch, dass unser Geld auf Tagesgeld-Konten an Wert verliert. Nehmen wir an, dass die Inflation etwa 1,5% beträgt. Auf einem Tagesgeld-Konto bekomme ich vielleicht 0,5% auf meine Einlagen. Die Differenz aus Inflation und Nominalzins, nennt man Realzins. Nun muss man nicht Ries mit Nachnamen heißen, um auszurechnen was das bedeutet. Die Zahl auf dem Konto bleibt gleich, aber ich kann mir davon weniger kaufen. Und zwar 1% weniger.
Zinseszins Wachstum
Warum ist es jetzt so schlimm, wenn von 1000 Euro nur 987,50 im Sparschwein ankommen? „Was sind schon 1,25%?“ mag man im ersten Moment denken. Die Macht des Zinseszins wird, ähnlich wie exponentielles Wachstum, im Allgemeinen unterschätzt. In einem Satz auf das Wesentliche runtergebrochen: Je länger der Anlagezeitraum, desto stärker wirkt der Zinseszins. Soweit, so unspektakulär.
Beispiel:
Nehmen wir der Einfachheit halber einmal 1% Zinsgutschrift an, die wir jährlich gutgeschrieben bekommen.
Lege ich im Jahr 2021 monatlich 5 Euro zurück, haben sich nach fünf Jahren 307,72 Euro angesammelt. Davon 7,72 Euro (etwa 2,51%) durch den Zinseszins.
Beträgt der Anlagezeitraum jedoch 35 Jahre, reden wir über ein Endkapital von 2513,16 Euro im Jahr 2056. Natürlich eine deutlich längere Zeit. Entscheidend ist aber der Zinsanteil. Der liegt bei 413,16 Euro (etwa 16,44%). Das ist mehr als das Sechsfache.
Ein schönes Beispiel dafür ist übrigens auch der Josephspfennig.
Er beschreibt den Effekt noch beeindruckender, ist aufgrund des Anlagehorizonts von 2020 Jahren wie ich finde aber so realitätsfern, dass er die eigentliche Botschaft eventuell nicht nachhaltig übermittelt.
Also: Wenn man den Zinseszins voll ausschöpfen möchte, kommt es auf jedes bisschen Gebühr an, das man für die Vermögensverwaltung zahlt. Und diese Gebühren fallen gerne auch mal höher aus als 1%.
Welcher Geldanlage-Typ bin ich?
Wie zuvor beschrieben sind die eigenen Ersparnisse in der Hausbank zwar verhältnismäßig sicher vor Dieben, jedoch nicht vor Inflation, also einer Erhöhung der Geldmenge. Bevor man einfach übereifrig sein Geld in Wertpapiere investiert, welche gerade von der Wirtschaftswoche empfohlen werden, gilt es einiges zu bedenken. Ob man investiert oder spekuliert, hängt davon ab ob man eine gut durchdachte Anlagestrategie konsequent umsetzt. Dafür sollte man sich folgende Fragen stellen.
1. Anlageziel
Es gilt sich die Frage zu stellen, warum man sein Geld überhaupt Anlegen möchte. Was banal klingt, ist von entscheidender Bedeutung. Mögliche Ziele sind größere Anschaffungen in der Zukunft, eine Vorsorge für das Alter oder einfach der Anspruch der Inflation entgegenzuwirken.
2. Anlagehorizont
Die Gestaltung der Anlageobjekte hängt außerdem vom Zeitraum ab, in dem das Geld gebunden werden soll. Und das nicht zu knapp. Denn der Zinseszins-Effekt wirkt umso stärker, je länger der Anlagehorizont ist. Dazu kommt, dass der Zeitraum direkten Einfluss auf die Risiko-Entwicklung hat.
3. Persönliche Risikotoleranz
Neben dem Risiko (Ja, es gibt immer ein Risiko. Sonst gäbe es auch keine Rendite) das mit einer Anlage per se verbunden ist, gilt es die Strategie auch noch nach der eigenen Risikobereitschaft respektive Risiko-Aversion auszurichten. Überschätzt man seine eigene Bereitschaft, läuft man Gefahr außerplanmäßig zu verkaufen und Verluste zu realisieren. Nur um 5 Jahre später festzustellen, dass die Anlage eine überdurchschnittliche Gesamtrendite aufweist.
4. Persönliche Lebensumstände
Grundsätzlich bestehen zwischen den Faktoren Wechselwirkungen bei der Entscheidungsfindung. Lebensumstände beeinflussen zum Beispiel die monatliche Spar-Rate, was sich wiederum auf den Anlagezeitraum und das Ziel auswirken kann.
Erst wenn man sich mit diesen Fragen auseinander gesetzt hat, sollte man damit beginnen die ersten Detailfragen zu klären (Broker, Vehikel Spar-Rate, Transaktionsgebühren, Ausschüttung oder Thesaurierung, etc.). Aber eine passende und strukturierte Anlagestrategie für sich zu finden, ist auch eine der schwierigsten Aufgaben. Denn Menschen und ihre Ziele und Motive sind verschieden. Die eine, immer funktionierende Gesamtlösung gibt es nicht.
Um einen groben Überblick zu bekommen, wie sich Vermögen realistisch entwickeln kann, stelle ich hier eine kostenlose Excel-Vorlage für eine einfache Berechnung und grafische Darstellung der Vermögensbildung zur Verfügung. Und nein: Du musst dich dafür nirgends anmelden und auch nicht bei meinem Newsletter subscriben.
Vermögensbildung mit ETF
Wie könnte Geldanlage und Vermögensbildung aussehen, wenn man es so einfach wie nur möglich haben will? Der Titel enthält die Antwort. ETF steht für „Exchange Traded Funds“. Das sind börsengehandelte Indexfonds, also Fonds die Aktienlisten nachbilden. Zum Beispiel den DAX, der vermutlich jedem ein Begriff ist. Diese ETFs haben zwei große Vorteile. Zum einen eine starke Risikodiversifikation und zum anderen geringe Kosten verglichen mit Fonds die aktiv verwaltet werden. Die starke Risikodiversifikation erspart es dem Anleger selbst ein aufwendiges Portfolio zu konzipieren. Die geringen Kosten sind ein großer Vorteil, weil sie dafür Sorgen dass möglichst viel von der Spar-Rate auch tatsächlich in der Anlage ankommt und nicht zum Teil einem Vermögensverwalter in die Tasche fließt.
Für den Privatanleger, der möglichst wenig Zeit mit dem Thema Geldanlage und Vermögensbildung verwenden will, also ein ideales Anlagevehikel. Nachdem man sich die entsprechenden Fragen der Anlagestrategie gestellt gestellt und beantwortet hat, kann man schon mit der Suche nach einem passenden Broker bzw. Depot beginnen. Dafür gibt es zahlreiche Vergleichsportale, die immer wieder verschiedene Anbieter testen. Je nach Spar-Rate und Turnus, muss jedoch jeder für sich entscheiden wo er am besten aufgehoben ist. So bieten einige Broker zum Beispiel keine ETF-Sparpläne unter einer Spar-Rate von 50 Euro je Monat an. Hat man den idealen Broker gefunden, muss nun noch eine letzte, wichtige Frage beantwortet werden.
Wie wähle ich den richtigen ETF aus?
Zunächst einmal sollte darauf geachtet werden, dass die Kosten so gering wie möglich sind. Denn auch bei ETFs gibt es Unterschiede. Nur weil man keinen teuren Hedgefonds-Manager bezahlt, heißt das nicht, dass es diese Produkte kostenlos gibt. Derzeit sollte man versuchen einen ETF mit Kosten von unter 0,5% im Jahr zu bekommen. Außerdem sollte er nicht zu klein sein. Mit zu klein ist die Menge an Vermögen im Fonds gemeint. Je geringer diese ist, desto wahrscheinlicher bzw. leichter ist es für die Fondsgestellschaft diesen zu schließen. Außerdem sollte er möglichst breit gestreut sein, das heißt viele Aktien beinhalten um die Risikodiversifizierung zu erhöhen.